Alte Vogtei in Bodman-Ludwigshafen (Landkreis Konstanz)

Astrid und Mathias Kreibich, Bodman

TRÄGER DES DENKMALSCHUTZPREISES 2026

​Würdigung besonders beispielhafter Instandsetzungen, Restaurierungen und bestandsgerechter Nutzungen


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Es war eine „reine Herzensangelegenheit“, als der Architekt Mathias Kreibich und seine Ehefrau, die Autorin und Historikerin Astrid Kreibich, 2021 das gemäß Holzaltersbestimmung 1607 errichtete Haus erwarben, das laut Urbar, dem damaligen Grundbuch, dem vom Grafen Bodman eingesetzten Vogt als Amts- und Wohnsitz diente. Auch die Raumstruktur mit Quer-Erschließung und großem Flur spricht für eine besondere, herrschaftliche Nutzung. Obwohl noch bis 2019 bewohnt, musste das einsturzgefährdete Sichtfachwerkgebäude noch im selben Jahr umfangreich notgesichert werden.

Fachwerkhaus
Denkmalschutzpreis 2026: Alte Vogtei Bodman (Foto: Gerhard Kabierske)

Die Geschichte des Hauses, die zu erwartende Befundlage und die starken Schäden erforderten ausführliche Grundlagenermittlungen und Voruntersuchungen. Dabei war die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege nicht nur konstruktiv und kreativ, sondern für beide Seiten höchst inspirierend. Nach Freilegung, der durch eine Anschüttung verdeckten, westlichen Längswand, der Errichtung einer Stützmauer und dem Rückbau von Verschalungen, jüngeren Einbauten und sonstigen sekundären Bauteilen wurden eine verformungsgerechte Bauaufnahme als Planungsgrundlage erstellt. Darauf basierten eine Tragwerksuntersuchung mit Bodengutachten, die Schadenskartierung der Holzbauteile, die Bauforschung und restauratorische Befunduntersuchungen der Putz- und Farbschichten. Erst danach folgten die Entwurfsplanung für Technik und Design und schließlich die Kostenberechnung. Den Anfang der aufwändigen Instandsetzung machten die Nachgründungen des Kellers im nördlichen Gebäudeteil und der westlichen Außenwand. Vorzustand und sämtliche Arbeiten wurden mithilfe eines Raumbuches detailliert dokumentiert. Die stärksten Eingriffe waren dort nötig, wo die größten Schäden vorgefunden wurden: an der westlichen Traufseite, dessen Erdgeschoss-Außenwand zum größten Teil erneuert werden musste und an der straßenabgewandten südlichen Giebelfassade, die eine Außendämmung und moderne Fensteröffnungen erhielt, was aber noch im angemessenen Verhältnis zum stimmigen Gesamtkonzept steht. Nach Baubefunden rekonstruiert wurden die um 1820 durch Mauerwerk erneuerten Außenwände der Stube im Erdgeschoss, die wieder in Fachwerk mit um die Gebäudeecke geführtem Fensterband hergestellt wurden. Die Stube besitzt noch die bauzeitliche Balken-Dielen-Decke mit Gratleisten, Holztäfer an den Wänden und einen Kachelofen des frühen 19. Jahrhunderts.

Gemäß der von den Bauherren ausgerufenen Devise der „maximalen Substanzerhaltung“ gab es keine Grundrissänderungen, auch Verformungen wurden beibehalten, sofern sie nicht schadensträchtig waren oder additiv ohne Eingriffe zum Stillstand gebracht werden konnten. 

Die Raumstrukturen samt wandfester Ausstattung sowie Putz- und Farbbefunden blieben sichtbar, wurden konserviert und legen beredtes Zeugnis ab für die gehobene Wohnkultur des 17. bis 19. Jahrhunderts. Für Reparaturen und Ergänzungen wurden jeweils nach dem Rückbau eingelagerte oder bestandsgleiche und befundmäßig gesicherte Materialien wie Ziegel, Hanf und Lehm verwendet und traditionelle Techniken wie leinöl- und kalkbasierte Anstriche, teilweise „Al Fresco“ angewandt. 

So ergibt sich ein vielschichtiges Bild, das aber nicht als Puzzle einzelner Befunde, sondern als durchdachtes, einheitliches und handwerklich perfekt umgesetztes Konzept wahrgenommen wird. Dabei kamen nicht nur die technisch-handwerklichen Fertigkeiten der Bauherren zum Ausdruck, sondern auch deren Begabung, moderne Technik „unsichtbar“ in dem heute zeitgemäß genutzten und ausgestatteten Wohnhaus einzubinden. 

So befinden sich die per Geothermie betriebenen Heizschleifen unter den Lehmterrazzoböden oder als Wandheizung unter Putz. Eine schlanke Museumsvitrine mit Fundstücken aus dem Haus dient als Stromkasten und gleichzeitig als Treppengeländer im Dachgeschoss. Das Ehepaar Kreibich wird sicher noch sehr viel Freude an ihrem einstigen Vogtshaus mit Seeblick haben!


geöffnetes Fenster in einem Wohnraum
Denkmalschutzpreis 2026: Alte Vogtei Bodman (Foto: Mathias Kreibich)

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